Fake News überschwemmen das Social Web – Eine Einschätzung

Blogbeitrag von Miriam Obladen

Soziale Netzwerke haben sich für viele Nutzer zu einer wichtigen Informationsquelle für tagesaktuelle Nachrichten entwickelt. Mittlerweile informiert sich laut einer Studie von bitkom etwa jeder fünfte deutsche Internetnutzer auf sozialen Netzwerken wie Facebook, Twitter oder Xing. Doch spätestens seit dem Wahlsieg von Donald Trump sind sogenannte Fake News und Social Bots zu den am meisten diskutierten Themen geworden. Falschinformationen greifen im Internet und insbesondere in den sozialen Netzwerken immer schneller um sich, verbreiten sich unverzüglich und können nach Veröffentlichung kaum wieder gestoppt werden.

Was sind Fake News und Social Bots?

Was verbirgt sich konkret hinter dem Begriff Fake News? Hat es Falschmeldungen, Propaganda und Verschwörungstheorien nicht schon immer gegeben?
Man spricht heute von Fake News, wenn Falschinformationen bewusst produziert und gestreut werden und dabei so komponiert werden, dass sie die Logiken der sozialen Medien ausnutzen. Damit sich die Fake News viral verbreiten, setzen sie oftmals auf Reizthemen wie Flüchtlinge, Missbrauch, Wahlen oder Krieg und Frieden. Sie werden dabei sowohl aus politischem, als auch aus rein finanziellem Interesse eingesetzt.
Ersteres bedeutet dabei vor allem den Missbrauch von Fake News für Propaganda, zum Beispiel zur Beeinflussung von anstehenden Wahlen oder des gesellschaftlichen Klimas. In der Vergangenheit wurden so schon gezielt Politiker diskreditiert. Die Grünen-Politikerin Renate Künast etwa wurde auf Facebook zitiert mit einem Kommentar über einen Mädchenmörder. Als Quelle wurde die „Süddeutsche Zeitung“ angegeben, jedoch standen weder Künast noch die Zeitung im Zusammenhang mit diesem Zitat. Auch im Wahlkampf um die US-Präsidentschaft war zu lesen, dass Hillary Clinton einem Kinderporno-Ring vorstehe. Obwohl diese Behauptung frei erfunden war, wurde die Meldung tausendfach weiterverbreitet. Wie realistisch eine Meldung ist, spielt bei der Verbreitung also nur eine untergeordnete Rolle.

Beispiel für Fake News: Erfundenes Zitat der Grünen-Politikerin Renate Künast

Finanziell profitieren können die Urheber von Fake News deshalb, da sich mit viralen Beiträgen Werbeeinnahmen erzielen und Konsumenten anlocken lassen. Facebook Beiträge, die viel geteilt werden, werden mit noch mehr Reichweite belohnt.
Eine weitere Entwicklung sind zudem die sogenannten Social Bots. Darunter versteht man Programme, die in sozialen Netzwerken menschliche Nutzer simulieren. Insbesondere auf Plattformen wie Twitter tweeten, liken und retweeten mittlerweile ganze Netze von automatisierten Accounts und setzen in nur wenigen Sekunden tausende Tweets ab. Solche Bots werden oftmals zur Meinungsmache und zur Verzerrung von Debatten instrumentalisiert. Diskussionen im Netz können so manipuliert werden und sogar die Stimmung in der Bevölkerung und Wahlentscheidungen beeinflussen. Bots sind dabei schwer zu erkennen. Taucht ein einzelner Post eines Bots in der Timeline auf, ist er nicht immer von dem eines Menschen zu unterscheiden. Auch die Profile von Bots sehen oft auf den ersten Blick aus wie die eines normalen Nutzers.

Gegenmaßnahmen von Facebook

Insbesondere das soziale Netzwerk Facebook steht in der Kritik, weil sich auf der Plattform wiederholt Falschmeldungen verbreiten. Facebook hat das Problem mittlerweile erkannt und kündigte bereits Mitte Dezember an, aktiv gegen Fake News vorzugehen. Mittlerweile gibt es die Möglichkeit Posts als Fake News zu melden. Wird ein Beitrag häufig genug als Falschmeldung markiert, landet er bei Mitarbeitern des unabhängigen Recherchebüros „Correctiv“. Handelt es sich tatsächlich um eine Falschmeldung, wird der Inhalt entsprechend markiert, aber nicht gelöscht. Bei unglaubwürdigen Artikeln wird dann in Zukunft die Sichtbarkeit reduziert, was die Einnahmequellen für Produzenten gefälschter Nachrichten enorm eindämmen würde. Darüber hinaus sollen externe Spezialisten eingesetzt werden, die sich mit der Überprüfung solcher Falschinformationen auseinandersetzen.

Als Falschmeldung gekennzeichneter Post auf Facebook

Wie erkennt und vermeidet man Fake News und Social Bots?

Ein paar einfache Fragen können helfen, den Großteil der Fake News, die im Internet kursieren, zu enttarnen. Ist die Geschichte realistisch? Welche Quelle gibt die Meldung an? Meldungen ohne Quelle sind mit Vorsicht zu genießen, sicherer sind zwei unabhängige Quellen für eine Meldung. Auch auf die Webseite hinter der Meldung sollte man achten: Ist sie als seriös bekannt? Seriöse Seiten verfügen immer über ein Impressum oder Kontaktmöglichkeiten. Auch Namen von Personen und Organisationen, die im Text einer Meldung vorkommen, können im Internet gesucht und überprüft werden. Um die Glaubwürdigkeit zu steigern, verweisen Fake News zudem oft auf etablierte Medien. Beinhaltet der Text Links, sollte daher die Originalquelle gelesen werden. Wenn der Verweis ins Nichts führt oder der zitierte Text einen anderen Tenor hat, könnte das ein Indiz für eine Falschmeldung sein.
Bei der Erkennung von Social Bots auf Twitter lohnt sich in jedem Fall ein genauerer Blick auf das Profil. Ein fehlendes Profilfoto sowie das Fehlen einer glaubwürdigen Biografie können dabei erste Hinweise auf einen Bot sein. Darüber hinaus haben Bots im Normalfall deutlich weniger Follower als die Accounts, denen sie folgen sowie eine sehr hohe Anzahl an abgesetzten Tweets.
Eine ausführliche Beschreibung zur Erkennung von Fake News finden Sie hier.

Fazit

Das was Fake News zu einem mächtigen und gefährlichen Phänomen machen ist also vor allem die Dynamik der sozialen Medien. Durch gedankenloses Teilen und Liken machen Falschmeldungen schnell die Runde. Die sozialen Netzwerke für Informationszwecke zu nutzen ist heute alltäglich, jedoch sollten wir das in Zeiten von Fake News wieder deutlich reflektierter tun. Fake-Seiten, Bots und Algorithmen können Meinungen verfälschen oder verstärken. Auch die Neuerungen von Facebook werden Fake News und Social Bots vermutlich nicht vollständig stoppen können. Demnach sollte mehr denn je der Grundsatz verfolgt werden: „Erst denken, dann teilen“.

 

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